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Isometrisches Training zur Stressreduktion – stressige Situationen meistern

Isometrisches Training zur Stressreduktion eignet sich hervorragend, um deinen Hund in stressigen Situationen zu unterstützen

Isometrisches Training sieht auf den ersten Blick sehr unspektakulär aus. Die Wirkung auf den Hund ist allerdings in jeder Hinsicht groß. Das isometrische Training ist, auch wenn es weder aufregend aussieht („Man sieht ja nichts!“) noch aktive Muskel- oder Gelenkbewegung erfordert, für unsere Hunde körperlich und auch geistig fordernd.

Neben der Muskelanspannung, ist volle Konzentration und Fokussierung auf den eigenen Körper notwendig. Wir schaffen es also, Körper und Geist zusammenzubringen und den Hund zu erden. Was sich so „esoterisch“ anhört, ist im Training – physisch wie psychisch – mit Hunden immens wichtig.

Isometrisches Training aus hundephysiotherapeutischer Sicht

In jedem guten Fitness- und Bewegungstraining sollten isometrische Übungen einen festen Platz haben. Leider geraten sie in Zeiten, wo gern mit viel Equipment trainiert wird, ins Hintertreffen.

Diese Form des Trainings hat viele verschiedene Vorteile

Man kann immer und überall trainieren – ohne Equipment und Vorbereitung.

Es kann bei jedem Hund eingesetzt werden – angepasst auf seine körperlichen Bedürfnisse – ganz gleich ob älterer Hund, junger Hund, Sporthund, bei Gelenkerkrankungen oder neurologischen Erkrankungen. Es gibt keine Kontraindikationen, bei denen man diese Art des Trainings nicht einsetzen könnte.

In der Rehabilitation kann man so schon vor der Belastungsphase dem Muskelabbau entgegenwirken und sogar Muskelaufbau fördern.

Isometrische Übungen – wie sie wirken

Im Fitness- und Bewegungstraining kann man die Übungen zum Muskelaufbau einsetzen und um Koordination, Balance und Körpergefühl und -wahrnehmung zu fördern. Hundehalter und Hund können diese Übungen sehr leicht erlernen und gezielt und korrekt einsetzen – mit einem maximalen Trainingseffekt.

Isometrische Übungen zeichnet aus, dass wir eine gezielte, sehr bewusste Muskelan- und entspannung haben, ohne eine aktive Muskelbewegung. Das ist besonders hilfreich, wenn Bewegungen schmerzhaft sind, man dennoch einem Muskelverlust entgegenwirken möchte und die Muskulatur stärken möchte.

Die An- und Entspannung wird über den leichten Druck der Hand des Menschen ausgelöst. Zudem wird hierbei die Eigenwahrnehmung des Körpers gefördert. Der Hund muss sich auf sich selbst und seinen Körper konzentrieren und fährt so seinen Erregungszustand sukzessive runter. Körper und Geist befinden sich immer in einem engen Zusammenspiel. Und so können wir mit isometrischen Übungen über die Bewusstmachung des Körpers auch eine geistige und seelische Entspannung herbeiführen.

Isometrisches Training zur Stressreduktion

Wir haben nun erfahren, wie isometrische Übungen auf den Hundekörper wirken und wann man sie einsetzen kann. Das ist für dich als Hundetrainer wichtig, denn du triffst auf viele verschiedene Hunde mit unterschiedlichsten körperlichen Bedürfnissen und Anforderungen. So kannst du immer sichergehen, dass du diese Art des Trainings bei jedem Hund einsetzen kannst.

Doch wie und warum setzt man diese Art von Körpertraining im Hundetraining ein und was bringt es Hund und Halter?

Die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig z.B.:

Gestresste Hunde oder leicht erregbare, nervöse und ängstliche Hunde profitieren sehr von diesen Übungen. In für sie angespannten Momenten sind sie nicht „ansprechbar“. In Situationen der Aufregung und Unsicherheit gestaltet es sich häufig schwierig, den Hund wieder runterzufahren.

Hilfreich ist es, isometrische Übungen als konditionierte Entspannung ins Training zu integrieren. Gut trainiert, können diese Übungen dem Hund helfen, gelassener und sicherer zu werden und den Hund in für ihn schwierigen Situationen zuverlässig zu unterstützen.

Auch, wenn im Hundetraining ein fokussierter Einstieg ins Training gesucht wird, bieten sich diese Art Übungen an. Isometrische Übungen können gezielt eingesetzt werden, um mit dem Hund ins Training zu starten und ihm zu einer guten Konzentration zu verhelfen.

Wichtig: Wie gut ein Hund auf isometrische Übungen im Hundetraining anspricht, ist immer auch individuell zu betrachten. Besonders in (aggressiven) Hundebegegnungen ist die Effizienz der Isometrie abhängig davon, woraus die Schwierigkeiten im Kontakt mit anderen Hunden resultieren.

Isometrisches Training zur Stressreduktion – Was passiert, wenn wir die „Hand auflegen“?

Durch das Auflegen der Hand mit leichtem Druck kommt es beim Hund zu einer Spannungsänderung im Muskel. Das fördert die Wahrnehmung des Körpers und stärkt das Körpergefühl.

Kommt der Hund in eine aufregende Situation beispielsweise beim Spaziergang, so können wir die zuvor erlernten isometrischen Übungen anwenden. Durch die willentliche An- und Entspannung verschiedener Muskelgruppen muss der Hund seine Konzentration weg vom Auslöser/Trigger hin zu sich selbst lenken. Folgt auf die Anspannung nun ein Loslassen, dann kann ein Zustand der Entspannung hervorgerufen werden. Die Übungen bringen den Hund ins „hier und jetzt“ zurück, da er sich auf sich selbst konzentrieren muss. Das erhöht die Chance, dass der Hund aus seiner reaktiven Aktion heraus wieder ansprechbar wird.

Die Stressspirale im Hundetraining unterbrechen

Ein aufgeregter Hund steht unter körperlicher und emotionaler Anspannung. Dies kann man z.B. daran erkennen, dass die Körperbewegungen steifer werden und die Muskulatur fester.

Wird das Kampf- oder Fluchtsystem des Hundes aktiviert, erfolgt eine starke Anspannung der Muskulatur. Wird nicht aktiv für eine Entspannung gesorgt, bleibt eine Restspannung in der Muskulatur. In der Folge wird diese Anspannung beim nächsten Stressauslöser in einer Stressspirale noch größer. Der Hund ist in einem Teufelskreis. Mittelfristig können gesundheitliche Probleme die Folge sein.

Diese Stressspirale können wir effektiv unterbrechen. Durch gezieltes Training mit Hilfe der isometrischen Übungen, lernt der Hund das nach dem Auflegen der Hand auf bestimmte Muskelgruppen die Entspannung dieser Muskel folgt.

So hilft es dem Hund

Durch kontinuierliches Training können wir unseren Hunden zu mehr Ruhe im Alltag verhelfen, ihn schneller aus Stresssituationen befreien, ihm helfen, sich zu konzentrieren und ihn insgesamt „erden“. Stress kann besser kompensiert werden und bestimmte seelische und dadurch resultierende körperliche Beschwerden können vermieden oder gelindert werden.

Extrawissen

Viele Hunde drücken sich in für sie stressige Situationen an ihren Menschen. Das kann ein Zeichen zur Selbstentspannung sein, denn dabei werden auch Wohlfühlhormone, wie z.B. Oxytocin ausgeschüttet.

Die Trainingsumgebung und wichtige Eckpunkte zum Einstieg in das isometrische Training

Grundsätzlich ist es wichtig, dass du selbst entspannt und ruhig bist und eine ruhige Umgebung schaffst. Konzentriere dich voll und ganz auf deinen Hund. Du solltest dir für den Aufbau der isometrischen Übungen immer entsprechend Zeit nehmen und dafür sorgen, dass es möglichst wenig ablenkende Faktoren gibt. Einfach mal eine Trainingseinheit zwischendurch auf dem Spaziergang ist für den Hund zu Beginn nicht umsetzbar, da er dann durch zu viele externe Faktoren abgelenkt wird. Nutze Momente, in denen auch dein Hund ruhig ist. Also nicht unmittelbar vor dem Spaziergang, oder wenn er gerade in Spiellaune ist.

Für das Training sollte der Hund immer auf einem rutschfesten Untergrund stehen. Im Optimalfall eine Yogamatte. Im Hundetraining auf dem Hundeplatz ist aber auch ebener Rasenboden absolut ausreichend. Überlege dir vorab ein Wortsignal, dass du für den Aufbau des isometrischen Trainings nutzt.

Wie viel „Druck“ ist richtig und wie lange?

Zunächst hält man den Druck – ohne nachzufedern – für wenige Sekunden. Etwa 3 Sekunden zu Beginn. Ist der Hund vertraut mit der Übung und körperlich dazu in der Lage, kann man im Verlauf des Trainings die Dauer, in der wir Druck mit der Hand ausüben, kleinschrittig verlängern. Zwischen den Einheiten sollte er Hund immer wieder die Möglichkeit haben, sich zu lockern. Wichtig ist, dass der Druck nur sehr leicht ist. Zu Beginn reicht es aus, mit dem Eigendruck der Hand zu arbeiten. Also die Hand einfach nur aufzulegen. Sobald man spürt, dass der Hund gegenhält ist ausreichend Druck aufgebaut.

Weicht der Hund aus, ist der Druck zu stark.

Wie oft und ab wann kann ich es in Stresssituationen einsetzen?

Das isometrische Training kann man jeden Tag in den Alltag integrieren. Da es aber sowohl geistig als auch körperlich anstrengend ist, empfehle ich, dass man zunächst mit ein bis zwei Wiederholungen pro Übung startet. Es ist die Qualität, die zählt und nicht die Quantität der Übungen.

Das isometrische Training sollte erst in „Stresssituationen“ eingesetzt werden, wenn der Hund wirklich vertraut mit dieser Art des Trainings ist. Nur so ist ein erfolgreicher Einsatz möglich.

Extrawissen: Es hilft vielen Hunden sehr, auf einer Begrenzung wie einer Yogamatte oder auch Targets zu stehen, wenn man die Übung aufbaut. Die räumliche Begrenzung gibt Sicherheit und so wird das Training für den Hund schnell zum Ritual. Das gibt zusätzliche Sicherheit.

Ein Beispiel für einen Trainingsaufbau

Über gezielten Druck auf Muskelpartien lösen wir den Oppositionsreflex im Muskel aus. Wichtig ist, dass der Trainingsaufbau in sehr kleinen Schritten erfolgt und an den jeweiligen Hund angepasst wird. Hunde, die sich ungern anfassen lassen, werden noch kleinere Trainingsschritte benötigen, als es hier beschrieben ist.

Sinnvoll ist ein Wortsignal, um dem Hund mitzuteilen, was wir vorhaben. Du gibt also das Wortsignal z.B. „Anfassen“ und legst die Hand z.B. auf die Schulter des Hundes. Du kannst die Handlung entsprechend noch mit einem Leckerli bestärken. Diese Handlung wiederholt man mehrmals. Nach mehreren Wiederholungen weiß der Hund, was verbunden mit dem Wortsignal erfolgt und es wird für ihn vorhersehbar, was wir von ihm möchten.

Der nächste Schritt:

Man gibt das Wortsignal „Anfassen“, dann geht die Hand zur Schulter und man baut etwas Druck auf den Körper auf. Während die Hand den leichten Druck hält, gibt es das Wortsignal und ein Leckerchen. Die Hand bleibt am Hundekörper und geht erst wieder weg, wenn das Futter aufgefuttert ist.

Langfristig muss nicht jede Wiederholung Übung mit einem Leckerchen belohnt werden, da der Hund die Entspannung bereits als eine Belohnung empfindet. Die Übungseinheiten sollte man immer kurz halten. Isometrisches Training ist sehr anstrengend, auch wenn es nach wenig aussieht.

Es ist grundsätzlich sinnvoll, wenn man nicht erst im Stressmoment selbst mit dem Aufbau der isometrischen Übungen beginnt, sondern schon vorher. So kennt der Hund sie bereits und sie können als konditionierte Entspannung genutzt werden.

Alles Liebe, deine Martina

 

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8 Kommentare zu „Isometrisches Training zur Stressreduktion – stressige Situationen meistern“

  1. Deine Übungen haben wir in unser Repertoire aufgenommen.
    Das mache ich sonst:
    Ich streiche mit mit den Fingerspitzen und leichtem Druck, in kreisenden Bewegungen, links und rechts neben der Wirbelsäule entlang, beginnend am Kopf, bis zum Rutenansatz. 3-5 Mal jede Seite. Finley entspannt sich dabei sehr gut. Am Ende der kleinen Massage streiche ich die Rückenpartie mit der flachen Hand aus.
    Ich habe dafür keine fachlich, vernünftige Erklärung aber ich mache das, weil er es so genießt. 😀
    Liebe Grüße aus Hamburg
    Birgit und Finley

    1. Liebe Birgit, super, ich bin gespannt, wie Finley die Übungen findet. 😀 Was du intuitiv massierst, ist übrigens absolut richtig. Mit Streichungen und Zirkelungen kannst du wunderbar den Rücken entspannen. Zu Massagegriffen gibt es im Blog übrigens Artikel mit Videoanleitungen. Da lernst du dann alles über Streichungen, Knetungen und Zirkelungen. Einfach mal in die Suche eingeben. 😀 LG und Knuddler an Finley!

      1. Liebe Kirsten, es gibt keinen eigenen Kurs mit isometrischen Übungen. Allerdings sind in allen Kursen eine große Zahl an isometrischen Übungen Teil des Trainings. LG, Tina

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